gemeinschaftliches Leben am Avena-Hof

…unsere Geschichte – wie es dazu kam


Eine Lebensgemeinschaft beginnt im Herzen, durch Liebe und Verbindung verschiedener Menschen. Diese Menschen träumen einen gemeinsamen Traum – eine Vision entsteht.

… als wir uns Menschen trafen, fand zwischen uns eine außergewöhnliche Begegnung statt, die keiner von uns erwartet, geplant oder absichtlich herbeigeführt hatte. Eine Begegnung, die über kulturelle und sprachliche Grenzen hinausging… ein Augenblick eines Gefühls und einer Gewißheit, zu Hause zu sein… ein Erkennen und Erinnern… wie ein Wiederbegegnen der Familie.

Vom ersten Moment an war uns bewußt, daß diese Menschen eine Bereicherung in unserem Leben sein würden. Es entstand der Wunsch in uns, uns gegenseitig ein zu Hause zu geben, eine Familie zu sein und die alltäglichen Pflichten und Aufgaben gemeinsam anstatt alleine zu tragen. Wir entschieden uns von Beginn an, uns gegenseitig zu vertrauen und waren uns bewußt, daß unsere gemeinsame Reise ein großes und aufregendes Abenteuer sein würde.

Es fand eine Initialzündung statt…
Sehr rasch und ohne Umschweife begannen wir, durch unsere individuellen und gemeinsamen Heilungs- und Klärungsprozesse zu gehen.
Einige von uns, die nicht weitergehen wollten oder die auch nicht zur Gemeinschaft paßten, fielen ab, gingen eigene Wege oder wurden von uns gebeten, die Gemeinschaft zu verlassen.
Zu denjenigen aber, die entschlossen und konsequent weitergehen wollten, wuchs eine tiefe und innige Beziehung.

Diesen gemeinsamen Weg zu gehen bedeutete praktisch:
die Bereitschaft zu haben unser Leben zu verändern; überholte Muster und Gewohnheiten loszulassen; unsere Energie in Form von gegenseitiger Unterstützung, Arbeitskraft und finanziellen Investitionen einzusetzen; ehrlich miteinander umzugehen; unsere Kraft dafür einzusetzen, die Dinge die wesentliche Bedeutung in unserem Leben haben zu fördern; persönliches Wachstum, Integrität und gegenseitige Achtung wurden wesentliche Bestandteile unseres gemeinsamen Lebens.
… und wir waren bereit, viel Zeit und Geduld für uns und unsere Vision aufzubringen.
… der Wunsch entstand, unsere Erfahrungen zu manifestieren und mit der Welt zu teilen.

Wir fanden ein Stück Land und einen Hof in der Fränkischen Schweiz und begannen unser gemeinsames physisches Haus in Form mehrerer Wohnungen zu bauen.

Der Name Avena-Hof tauchte in Träumen auf (Avena, lat. Wilder Hafer).
Avena, der Hafer wurde früher auch als das „Gold der Nordens“ bezeichnet, sprich als etwas sehr wichtiges und wertvolles (Grundnahrungsmittel) und für uns entstand daraus: „das was wichtig ist“.

So wie für uns selbst, reifte in uns der Wunsch, auch anderen die Möglichkeit zu bieten, zu Ihrem wesentlichen Kern, Ihren Wurzeln, zur Erde, Ihren Gefühlen und Ihren Herzen zu finden. Der Avena-Hof sollte eine Oase der Bewußtheit für uns und andere Menschen sein.

Eine große Wahl-Familie und doch sehr viel Raum für jeden Einzelnen.
Frauen, die Zeit haben, miteinander zu sprechen, zu arbeiten, unter sich zu sein, Frau-sein-können; sowie Männer, die miteinander arbeiten, sich gegenseitig mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen unterstützen. Menschen, die „Steine“ und Verantwortung nicht mehr alleine tragen müssen; Kinder, die gemeinsam aufwachsen, spielen und gleichzeitig mehrere Betreuungs- und Bezugspersonen haben, ohne daß der vertraute Kleinfamilienkreis dabei verloren geht.
Sehr positiv für die Kinder ist die Möglichkeit, verschiedene männliche Identifikationsfiguren tagtäglich bei der Arbeit (Hausbau, Landpflege, Meetings…) beobachten zu können und nicht mehr „nur“ Väter, die Abends von irgendwoher müde und abgeschlafft nach Hause kommen, ohne das die Kinder sich bewußt mit den männlichen Rollen auseinandersetzen können.

In unserer modernen Welt haben viele von uns die Stammesverbindung (tribal-connection) verloren. Wir fühlen uns einsam und isoliert in unseren Heimen und unserer Art zu leben. Dies gekoppelt mit unseren täglichen Verpflichtungen, die wir zu erfüllen haben, um überhaupt leben zu können in dieser Welt, führen zu vermehrtem Streß und einem Gefühl des irgendwie getrennt sein von einander. Die Illusion der Isolation wiederum gebiert eine Mischung aus Angst und Mißverständnissen.

Durch das Zusammenführen von Menschen, das miteinander Teilen unserer persönlichen Lebensgeschichten und das erarbeiten gemeinsamer Ziele und Ideen entsteht ein Glücksgefühl das unsere Mauern der Angst und Isolation zum Einstürzen bringt. Nicht mehr allein/einsam, fühlen wir uns unterstützt und sicher.

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Ein selten erwähnter Gesichtspunkt, der uns aber sehr am Herzen liegt, ist die Heilung unserer Generationskonflikte. Ältere Menschen leben oft vereinsamt, alleine oder in Altersheimen, werden nicht mehr gebraucht, führen ein sinnleeres Leben und fühlen sich nutzlos und abgeschoben.
Deren Kinder bzw. die mittlere Generation ist oft nicht in der Lage für die Älteren mit zu sorgen oder sie zu pflegen – meist eine Folge von Vollzeitarbeit. Das führt zu Konflikten zwischen „Alt und Jung“, zu Mißverständnissen, schlechtem Gewissen, Lieblosigkeit, die natürlichen Familienbande werden zerstört.
In einer Lebensgemeinschaft haben Alte einen Platz, an dem sie geachtet und wertgeschätzt werden. Sie brauchen ihre täglichen Pflichten und Aufgaben und bekommen ihrerseits den Schutz und die Geborgenheit einer großen Familie. Wir schätzen ihre Geschichten, ihre Erfahrungen, ihre Weisheit und ihre Zerbrechlichkeit. Unsere Kinder, deren Enkel, erfahren unendlich viel Aufmerksamkeit und Güte, die wir ihnen zum Teil nicht bieten können, da wir, die mittlere Generation oft viel zu beschäftigt sind. So fühlen sich die Kinder genährt und geliebt, die Alten sich geachtet und wertgeschätzt, die mittlere Generation, die noch sehr im Außen beschäftigt ist (z. B. mit Geld verdienen etc.), wird dadurch immens unterstützt, da die Alten bestimmte Aufgaben für sie übernehmen und sie dadurch entlasten.

Natürlich gibt es nicht nur eitel Sonnenschein in solch einer Gemeinschaft. Wie in jedem natürlichen Prozeß entstehen auch hier Spannungen, Unstimmigkeiten, Konflikte zwischen den Menschen. Wir versuchen diese offen und ehrlich miteinander zu klären.
Manchmal geschieht dies zu zweit oder zu dritt und ein andermal in der gesamten Gruppe.
Dabei ist die Würde jedes Einzelnen unantastbar (siehe Grundgesetz) d. h. niemand darf zu etwas gezwungen werden (auch nicht subtil) das er/sie selbst nicht tun möchte.
Der Umgang, selbst in großen Konfliktfällen, sollte von gegenseitiger Achtung geprägt sein – und Zeit ist wichtig für jeden Entwicklungsprozeß, auch für die Entwicklung von Konflikten.
Gemeinschaftliches Leben ist nicht immer einfach – zeitweise auch anstrengend und schwierig, da es immer wieder „menschelt“.
Genauso wie  jede zwischenmenschliche Beziehung, erfordert auch das Gemeinschaftsleben viel Zeit, Aufmerksamkeit, Geduld, Achtsamkeit, Selbstreflexion,  Mut, Vertrauen, Respekt, die Fähigkeit zu lieben und zu vergeben.

Jede/r neue Gemeinschaftsanwärter/in bekommt 1 – 1 ½ Jahre Zeit um sich hier einzuleben, d. h. mitzuarbeiten, zu spüren „gehöre ich hierher oder nicht, fühle ich mich hier wohl, fühle ich mich in meinem Leben bereichert und unterstützt durch die Gemeinschaft?“
Und auch die Gemeinschaft hat diese Zeit um zu spüren und zu erleben „paßt dieser Mensch zu uns, bereichert und unterstützt er das Ganze bzw. mich persönlich?“
In dieser Zeitspanne wird meist sehr deutlich, welchen Platz eine Person einnehmen kann und möchte und welche Aufgaben für sie angemessen sind. Wir alle haben unterschiedliche Fähigkeiten und Potentiale (Hausbau, Handwerk, Landpflege, Garten, Tierpflege, Kindererziehung, Kochen, Organisieren …). Die wichtigste Frage dabei ist, leben wir dieses Potential und geben wir uns ein?
Jeder von uns hat auch das Bedürfnis und das Recht allein zu sein und sich zurückzuziehen – Privatsphäre ist wichtig!
Eine Person jedoch, die nichts eingeben mag d. h. die Gemeinschaft nicht unterstützt und bereichert, kann nicht Teil der Gemeinschaft sein. Wir entscheiden dann gemeinsam und in bestimmten Fällen bitten wir dann die betreffende Person zu gehen.
Die Gemeinschaft verändert, bewegt sich und wächst … und so tun es die Menschen der Gemeinschaft.

Ziele und Visionen verändern sich kontinuierlich mit der Veränderung der Menschen im Einklang mit deren Entwicklungsprozessen und dem natürlichen Lebensrhythmus. Die natürlichen Lebensphasen spiegeln sich in allen Bereichen unseres Lebens wider: Zeugung, Geburt, Wachstum, Reife und Tod. Und mit dem Tod erfolgt der Neubeginn.
Von größter Bedeutung für die Entwicklung und den Bestand einer Gemeinschaft ist die bewußte Entscheidung der Mitglieder, zusammen zu sein. Egal welche Idee oder Vision (ob politisch-, pädagogisch-, Umwelt- oder spirituell-orientiert) diese Gemeinschaft zusammen-bringt und -hält, diese Idee braucht unserer Erfahrung nach genauso wie wir Menschen, Verstand, Herz, Körper und eine gemeinsame geistige oder spirituelle Grundlage.
Das Herz birgt die Liebe und die Verbundenheit unter den Menschen; die geistige Idee oder Vision haucht diesem Zusammensein einen Sinn und damit Leben ein; der Verstand dient der Struktur, Ordnung und Organisation und im körperlichen Bereich setzen wir unsere Idee praktisch um, leben sie und bringen sie in die Welt.
Im gleichen Atemzug wird wichtig, wie diese Gemeinschaft geführt wird bzw. sich selbst führt.
Es braucht natürliche Führungspersonen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und zu leben, ohne dabei andere Mitglieder zu regieren und zu kontrollieren. Durchaus können dabei verschiedene Personen unterschiedliche Führungspositionen – entsprechend ihren Fähigkeiten – übernehmen. Wie gesagt wir sprechen von natürlichen Führungspersonen oder Autoritäten, nicht von einem oder mehreren Bossen.
Eine Gemeinschaft kann darüber hinaus nur funktionieren, wenn jede/r Teilnehmer/in sich bewußt entscheidet zu 100 % verantwortlich für sich selbst zu sein – soweit dies eben möglich ist – seine/ihre Fähigkeiten und Potentiale einzugeben und ihr/sein Wunsch das Leben kontinuierlich zu verbessern; d. h. als Persönlichkeit zu wachsen und gleichzeitig andere in ihrem Wachstum zu unterstützen.
Das Resultat ist ein gleichwertig und wichtig sein und ein Gefühl des geliebt und geachtet sein in der Gemeinschaft.

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